Insiderhandel bei Conergy?

125 Fahnder durchsuchten in diesen Tagen Büros und Wohnungen von elf hochrangigen Mitarbeitern des Hamburger Solarenergie-Unternehmens Conergy. Sie stehen unter anderem unter dem Verdacht der Bilanzfälschung, des Insiderhandels und der Kursmanipulation.

Conergy hatte bereits in den letzten Jahren jegliches Anlegervertrauen verspielt. Immer wieder wurde dem Unternehmen Missmanagement vorgeworfen. Conergy stand mehrere Male kurz vor der Pleite.

Zuletzt half Ende 2008 der Milliardär Otto Happel Conergy mit EUR 50 Millionen aus der Misere und erhielt dafür 4,25 Prozent der Anteile am Unternehmen. Obendrein gewährten die Altaktionäre Otto Happel auf ihre Aktien Kaufoptionen für insgesamt 25,1 Prozent des Grundkapitals. Happel bezahlte zu diesem Zeitpunkt noch EUR 33,50 pro Anteilsschein.

Nur drei Monate später stand Conergy erneut mit dem Rücken zur Wand. Der Konzern musste die Rechnungslegung umstellen, was zu einem Jahresverlust von EUR 248 Millionen führte. Daraufhin drohte ein Bankenkonsortium unter Führung von Commerzbank, Dresdner Bank und WestLB, einen Kredit im Volumen von EUR 600-Millionen für den Bau einer Solarfabrik fällig zu stellen.

Dies alles führte natürlich zu erheblichen Vetrauens- und somit auch Kursverlusten. Insgesamt markierte die Solar-Aktie im März 2009 ein neues Allzeittief bei EUR 0,34. Die Aktie erholte sich zwar innerhalb weniger Tage auf EUR 1,90, brach nach diesem Hoch aber schnell wieder auf EUR 0,65 ein. Oberhalb dieser Marke lief die Aktie zuletzt mehrere Wochen seitwärts. Trotz aktueller Negativ-Schlagzeilen konnte sich die Aktie auch in dieser Woche gut halten. Es macht den Anschein, als wären die Anleger bei Conergy Sorgen gewöhnt.

Was wird Conergy jedoch nun direkt vorgeworfen? Konkret werfen die Ermittler elf hochrangigen Managern vor, in der Zeit von November 2006 bis Dezember 2007 gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen zu haben. Sie sollen Geschäftszahlen gefälscht, Ad-hoc-Mitteilungen mit überhöhten Gewinnerwartungen veröffentlicht und damit den Aktienkurs unberechtigt und künstlich in die Höhe getrieben haben.

Blickt man auf den Chart, gelang ihnen dies auch vortrefflich - der Kurs der Solar-Aktie markierte Ende des Jahres 2007 neue Höchststände. Zum Teil konnten die Insider ihre Kursgewinne zu diesem Zeitpunkt sogar angenehm mitnehmen. Insgesamt betrachtet veräußerten diverse Firmenlenker 2007 noch Aktien im Wert von über EUR 35 Mio., bevor die Aktie ihre Talfahrt antrat. Zwar gab es in der Zeit darauf auch einige kleinere Insiderkäufe, die jedoch von größeren Verkäufen immer wieder überschattet wurden. Abschließend bleibt nur festzustellen, dass die Insider schon frühzeitig den wahren Wert ihres Unternehmens und des Aktienkurses richtig einschätzen konnten.

Insiderhandel bei Conergy

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